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Betriebsmedizin

Dr. med. Wolfgang Kerling
Betriebsarzt & Internist

Betriebsmedizinisches
Institut Kevit

Wallensteinstr. 26
90439 Nürnberg

Telefon: 0911 616 0384
Telefax: 0911 6160374
E-Mail: drkerling@t-online.de

 

Kurze Bewegung, große Wirkung: Was „Exercise Snacks“ und Yoga im Alltag leisten können

Zeitdruck, geringe Motivation oder körperliche Einschränkungen erschweren vielen die Umsetzung der empfohlenen 150 Minuten Bewegung pro Woche plus Kraft- und Gleichgewichtstraining. Ein pragmatischer Blick zeigt jedoch: Auch kurze Aktivitätsphasen und Achtsamkeitsübungen können den Stoffwechsel deutlich positiv beeinflussen.

Die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellen Wissenschaftler von der Sporthochschule Köln nicht infrage. Es wird aber betont, dass man bei Menschen mit Diabetes wissen sollte, dass bereits sehr kurze Belastungen von 30 Sekunden bis fünf Minuten – sogenannte „Exercise Snacks“ – messbare gesundheitliche Effekte haben.

Diese lassen sich leicht in den Alltag einbauen, etwa durch Treppensteigen, Gehen auf der Stelle, Boxbewegungen oder Hampelmänner. Schon eine Minute pro Einheit genügt bei relativ hoher Intensität. Eine große Beobachtungsstudie mit über 25.000 Teilnehmenden und sieben Jahren Nachbeobachtung zeigte, dass drei einminütige Belastungsspitzen täglich das Sterberisiko um rund 30 % senken können, auch bei Menschen ohne sonstige sportliche Aktivität. Weitere Studien bestätigen ähnliche Ergebnisse.

Auch für Diabetes sind die Effekte relevant: Kurze Aktivitäten vor Mahlzeiten senkten den durchschnittlichen Tagesglukosewert um etwa 10 mg/dl. Mehrmals täglich kurze, intensive Bewegungseinheiten sind daher sinnvoll. Als ergänzende, niedrigschwellige Option wird unter anderem Yoga empfohlen. Dabei steht nicht extreme Beweglichkeit im Vordergrund, sondern die bewusste Atmung. Viele Menschen finden über angepasste Übungen überhaupt erst einen Zugang zu mehr Bewegung im Alltag.

Die Kombination aus Bewegung, Atmung und Meditation ist somit besonders wirksam, etwa bei Stress oder Bluthochdruck. Bei Diabetes verbessert Yoga unter anderem die Insulinsensitivität durch reduzierte Kortisolausschüttung sowie die Blutzuckerkontrolle durch Bewegung. Gleichzeitig fördern Atem- und Entspannungsübungen Achtsamkeit, Selbstwirksamkeit und Resilienz. Dadurch fällt es leichter, bewusster zu reagieren und langfristig gesündere Verhaltensweisen zu entwickeln.

Thiel, A.
Exercise Snacks und Yoga als niederschwellige Bewegungsangebote
Medical Tribune 5/2026

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